Home » Archiv » 50 Jahre Musikverein Ziegelerden: „Senkrechtstart“ am Anfang 

50 Jahre Musikverein Ziegelerden: „Senkrechtstart“ am Anfang

„Freude am gemeinsamen Musizieren“, dieser Leitspruch prägt den Musikverein Ziegelerden und zog sich wie ein roter Faden durch das Festwochenende zum 50-jährigen Gründungsjubiläum im Juli 2015 auf dem örtlichen Schulgelände. Dabei wurde anhand einer Dia-Show, die Schirmherr Dr. Ralf Völkl beim Festkommers zeigte, auch die bewegte und interessante Geschichte des Vereins in Erinnerung gerufen, die gerade in den ersten beiden Jahrzehnten von Highlights wie Rundfunk- und Fernsehaufnahmen sowie zahlreichen Konzertreisen geprägt war.

50 Jahre Musikverein bedeute „für uns Musiker“ gerade vor Rundfunkaufnahmen „nicht enden wollende Proben, bei denen einem schon die Lippen geschmerzt haben, und üben, üben, üben“, blickte Vorsitzender Thomas Hofmann zurück. Gerade der damalige Aufnahmeleiter des Bayerischen Rundfunks, Steff Lindemann, hatte höchste Ansprüche. „Doch eins zu sein mit sich und der Musik ist ein unschätzbarer Moment“, hob Thomas Hofmann hervor und zitierte Beethoven: „Musik ist eine höhere Offenbarung als alle Weisheiten und Philosophie." In der Vereinsgeschichte habe es viele schöne, emotionale Erlebnisse durch die Musik und zahlreiche herzliche Begebenheiten gegeben, als die damals jugendlichen Musiker die Luft der großen weiten Welt schnuppern konnten. Die Proben hätten das Orchester zusammengeschweißt, und so sei man noch heute eine starke Gemeinschaft, die zahlreiche Auftritte absolviere.
„Musik in Ziegeleden war ein Senkrechtstart von Null auf Hundert", unterstrich Ralf Völkl in seinem Rückblick auf die Vereinsgeschichte. Bereits kurz nach seiner Gründung habe der Verein mehr als 100 Mitglieder gehabt, und schon wenige Jahre später habe das Jugendblasorchester beispielsweise bei „Jugend musiziert" ganz oben mitgespielt und sei wiederholt bis zum Bundesentscheid gekommen.
Dieser Erfolg ist vor allem mit einem Namen verbunden: mit dem des damaligen Schulleiters Hans Götz, der mit seiner Leidenschaft für die Musik innerhalb kürzester Zeit mit ganz jungen Musikern - viele davon noch Kinder - dieses Orchester auf höchstem Niveau schuf. Die Bilder weckten zahlreiche Erinnerungen an lustige Episoden. So erzählten Alfons Möckel und Roland Spindler, wie im KaDeWe (Kaufhaus des Westens) in Berlin einmal ein Schuh in der Rolltreppe steckenblieb, von einem kurz vor dem Wertungsspiel verschwundenen Mundstück oder der Schottlandreise, auf der ein Musiker, über und über mit Schaum bedeckt, als Monster of Cullen in Erscheinung trat. Ein schönes Erlebnis war auch das Standkonzert auf dem Markusplatz in Venedig.
Nach dem plötzlichen Tod von Hans Götz im Jahr 1998 übernahm Karl Schneider die musikalische Leitung der Kapelle, die seitdem nicht nur viele örtliche Veranstaltungen musikalisch umrahmt, sondern beispielsweise auch bei der Fahnenübergabe auf der Landesgartenschau in Memmingen die Stadt Kronach mit vertrat.
Der Musikverein habe Ziegelerden in den vergangenen Jahren bekannt gemacht und kulturell entscheidend mit geprägt, bedankte sich Ralf Völkl im Namen der Ortsgemeinschaft. Ohne die musikalische Umrahmung wären die örtlichen Veranstaltungen nicht so schön und festlich. Keine Selbstverständlichkeit sei es, dass der Musikverein die Jubiläen der örtlichen Vereine musikalisch ausgestalte, bedankte er sich im Namen der Vereinsgemeinschaft und überreichte ein Geschenk.
„Im Wesen der Musik liegt es, Freude zu bereiten", unterstrich stellvertretender Landrat Bernd Steger. Der Verein sei ein Grundpfeiler des örtlichen Gemeinwesens, bedankte er sich für den ehrenamtlichen Einsatz. „Der Musikverein kann stolz auf seine Geschichte sein. Er hat viel erlebt und geleistet", erklärte 2. Bürgermeisterin Angela Hofmann. Seit 50 Jahren sei er ein lebendiger und aktiver Teil sowie ein Sympathieträger des Ortes. Es sei beeindruckend, was der Verein zu seinem Jubiläum auf die Beine gestellt habe.
„Musik ist fantastisch, sie verbindet die Menschen über die Ländergrenzen hinweg", erklärte der Kreisvorsitzende des Nordbayerischen Musikbundes, Wolfgang Müller. Der Musikverein sei ein wichtiger Kulturträger vor Ort, und die örtlichen Veranstaltungen seien ohne Musik oftmals undenkbar. Er erinnerte auch an die Gründer des Vereins wie Hans Götz und Michael Karl, die Großartiges aufgebaut hätten. Dem Verein wünschte er für die Zukunft, dass er an diese Höhepunkte anknüpfen und wieder junge Menschen für sich gewinnen könne.
Für den Musikbund konnte er einen Musiker der ersten Stunde, der also seit 50 Jahren aktiv im Verein mitwirkt, mit der goldenen Ehrennadel und Ehrenurkunde des Verbandes auszeichnen: Alfons Möckel. Als stellvertretender Vereinsvorsitzender bedankte sich Möckel mit einem Präsent im Namen aller Musiker bei Thomas Hofmann und Karl Schneider, die seit 15 bzw. 17 Jahren an der Spitze des Vereins und des Orchesters stehen und die gewissenhaft die schwierige Aufgabe erfüllen, alles zusammenzuhalten und alle unter einen Hut zu bringen.
Mit Urkunden ehrte der Verein auch seine Gründungsmitglieder. Durch ihren mutigen Schritt zur Gründung eines Orchesters hätten sie es in den fünf Jahrzehnten insgesamt 76 jungen Menschen ermöglicht, ein Instrument zu erlernen, berichtete Thomas Hofmann. Ausgezeichnet wurden Gerhard Heim, Adolf Höhn, Willi Karl, Oswald Kräußling, Alfons Möckel, Max Schramm, Horst Schulz, Helmut Simon, Walter Thron, Willi Thron und Wilhelm Völkl (siehe Foto unten).
Mit einer Fahnenparade der örtlichen Vereine und einem Festgottesdienst in der St.-Michaels-Kirche, den der Musikverein mit ausgestaltete, gedachte man der verstorbenen Vereinsmitglieder. Pater Johannes Effern, der zusammen mit Pater Werner Pieper auch am Festkommers teilgenommen hatte, ging in seiner Predigt darauf ein, dass die Musik die Menschen erfreue und häufig auch zur Ehre Gottes erklinge.
Mit Gastspielen der Gehülzer Bergmusikanten sowie des Musikvereins Hesselbach klang das Fest aus. Deren Vorsitzende und Dirigenten Martin Simon und Klaus Porsch sowie Ralf Welsch und Georg Schönmüller gratulierten herzlich zum Jubiläum. Auch Heiner Reuß von den Kronacher Housnküh, Günter Soja vom Jugendorchester Kronach und Walter Wich-Herrlein überbrachten ebenfalls die besten Glückwünsche und erinnerten an schöne gemeinsame Auftritte.   -vz- 

Der Musikverein Ziegelerden ehrte beim Festkommers zu seinem 50-jährigen Bestehen seine Gründungsmitglieder. Im Bild (von links) der Kreisvorsitzende des Nordbayerischen Musikbundes, Wolfgang Müller, 2. Bürgermeisterin Angela Hofmann, Wilhelm Völkl, Schirmherr Dr. Ralf Völkl, Max Schramm, Alfons Möckel, Walter Thron, Helmut Simon, stellv. Landrat Bernd Steger, Willi Karl, Gerhard Heim, Dirigent Karl Schneider und Vorsitzender Thomas Hofmann.   Foto: Ingrid Völkl