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Archäologische Kostbarkeiten von der Heunischenburg

Björn-Uwe Abels & Helmut Voß
S e l t e n   u n d   s c h ö n
Archäologische Kostbarkeiten aus der
Vor- und Frühgeschichte Oberfrankens

Dieser als CHW-Monographie 9 erschienene, sehr gelungene Band (Lichtenfels 2007, ISBN 3-87735-189-1) stellt – bei oberfrankenweit insgesamt 125 Objekten – unter der Ortsangabe Gehülz und den Nummern 38, 39 und 40 Heunischenburg-Kostbarkeiten in Wort und Bild vor. Es sind dies Bronzepfeilspitzen (Nr. 38), eine Lanzenspitze aus Bronze (Nr. 39) und die Befestigung der Heunischenburg (Nr. 40).


Die urnenfelderzeitliche Heunischenburg – mit vergleichsweise nicht sehr großem Areal, aber auffallend mächtiger Befestigung – wurde im Zuge von Kampfhandlungen zweimal zerstört bzw. eingenommen. Darauf weisen über 100 Bronzepfeilspitzen unterschiedlicher Typen hin. Die abgebildeten Pfeilspitzen des 9. Jh. v. Chr. haben eine Länge von 3 bis 4,5 cm und werden (ebenso wie die nachfolgend zu sehende Lanzenspitze) in der Archäologischen Staatssammlung München aufbewahrt.

In der wehrhaften Heunischenburg wurden nicht nur mehrere Schwertbruchstücke und viele Pfeilspitzen ausgegraben, sondern auch eine größere Anzahl von Lanzenspitzen bzw. deren Bruchstücke. Die hier abgebildete Lanzenspitze ist ein ganz einmaliges Fundstück. Die Spitze zeigt am Tüllenmund eine Verzierung mit Linien- und Dreiecksbändern, die wechselweise mit Kupfer- und Eiseneinlagen tauschiert sind. Rot glänzendes Kupfer und silbrig glänzendes Eisen auf gold glänzender Bronze verliehen dieser Waffe nicht nur ein außergewöhnliches Aussehen, sondern auch einen hohen Wert, zumal Eisen ein noch weitgehend unbekannter Werkstoff war. Beim Eigentümer dieser Prunkwaffe dürfte es sich um einen Anführer der Heunischenburg-Besatzung gehandelt haben.



Die Heunischenburg, deren wichtigste Befestigungsabschnitte von 1983 bis 1987 ausgegraben werden konnten, gilt als einmalige urnenfelderzeitliche Wehranlage. Sie lag weit ab von anderen Siedlungen und war mit einer mächtigen Steinmauer von 3 m Höhe und einer weit in den Innenraum hinein gezogenen Toranlage befestigt. Zudem verfügte sie über eine Pforte, bei der es sich um eine so genannte Poterne handelte. Die aufwändige Architektur der Befestigung lässt Einflüsse aus dem mediterranen Raum erkennen. Zahlreiche Waffenfunde und der Nachweis von Kampfhandlungen, im Zuge derer die Befestigung schließlich um 800 v. Chr. unterging, zeigen, wie begehrt diese heiß umkämpfte Anlage gewesen sein muss. Wahrscheinlich kontrollierte die späturnenfelderzeitliche Elite der Heunischenburg den Handel mit Kupfer und Zinn aus den Mittelgebirgen Ostoberfrankens, die in den großen zentralen Siedlungen dringend benötigt wurden. Dank der Unterstützung der Oberfrankenstiftung, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, des Landkreises und der Stadt Kronach konnte in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege ein Abschnitt der eindrucksvollen Befestigung nach Ausgrabungsbefunden rekonstruiert werden.