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Die „Haßlacherberg-Heiligen“ St. Michael und St. Bonifatius

Bonifatius lag eines Nachts schlaflos in seinem Zelt. Ihn quälten schwere Sorgen, denn das Volk hatte für seine Botschaft taube Ohren. Da erschien dem Missionar der Erzengel Michael und sprach ihm Mut zu. Am nächsten Tag ging Bonifatius mit neuem Eifer ans Werk. Dort, wo ihm der Bote Gottes erschienen war, ließ er ein Kloster bauen. – Das erzählt eine in Thüringen handelnde Sage, auf die sich die Abbildung links bezieht. In diesem Zusammenhang ist noch erwähnenswert, dass Bonifatius glühender Verehrer des heiligen Michael (seines „Lieblingsengels“) und Förderer der Michaelsverehrung im fränkischen Reich war, wo der Erzengel als Schutzherr der Christen im Kampf gegen die Heiden galt.
Um eine Verbindung zwischen St. Bonifatius und St. Michael geht es auch auf dieser Webseite, denn beide sind Patrone bzw. Namengeber für die Gotteshäuser auf dem Haßlacherberg – die katholische Kirche St. Bonifatius Breitenloh in Gehülz (erbaut 1933/34) sowie die katholische Kirche St. Michael Ziegelerden (1949/50) und die evangelische Kirche St. Michael Gehülz (1960/61).

Abbildungen der beiden Heiligen auf dem Haßlacherberg:
     -   St. Michael
     -   St. Bonifatius
Siehe dazu auch die Beschreibungen unter: Gehülz - Denkmäler; Ziegelerden - Denkmäler; Seelach - Denkmäler

St. Michael: Bedeutung vor Ort
In Ziegelerden, das seinen Kirchenpatron im 2005 eingeführten Dorfwappen führt, wird aufgrund des Michael-Patroziniums die Kirchen- und Dorfkirchweih in Verbindung mit dem Patronatsfest als Michaeliskirchweih begangen. Auch bei der Gehülzer St.-Michael-Kirche orientiert sich das Gedenken der Kirchweihe terminlich am 29. September, dem „Tag des Erzengels Michael und aller Engel“. In beiden Orten wird im Michaeliskirchweih-Gottesdienst in der Regel auch das Erntedankfest mitgefeiert.
Der Überlieferung zufolge war es am Michaelistag, als 1946 erstmals in der Geschichte Ziegelerdens das heilige Messopfer gefeiert wurde. Als Gottesdienstraum diente damals der Saal der unteren Wirtschaft. Bereits zuvor hatte St. Michael in Ziegelerden eine wichtige Rolle gespielt: Im Winter 1924/25 veranstaltete Pater Anton Biba mit Unterstützung seiner Ordensbrüder vom Kronacher Oblatenkloster gut besuchte Familien- und Jugendabende im Ort. Nachdem am 15. März 1925 in der Möckelschen Gastwirtschaft 38 Gründungsmitglieder den katholischen Jünglingsverein aus der Taufe gehoben hatten, wurde im gleichen Jahr im Protokollbuch vermerkt: „Zu Ehren unseres Schutzpatrons, des hl. Michael, empfing der hiesige Jünglingsverein geschlossen die heilige Generalkommunion.“ Auch eine Seite der 1926 geweihten Jünglingsvereinsfahne war dem Schutzpatron gewidmet.
Elf Jahre nach der katholischen Ziegelerdener (1950) wurde die evangelische Gehülzer Michaelskirche eingeweiht. „Diesen Namen hat ihr der Kirchenausschuss verliehen“, schrieb Vikar Jakob-Erwin Gerbig im Weihejahr 1961. Dabei verwies er auf die Bedeutung, die der „Erzengel des deutschen Volkes“ für den Reformator Martin Luther gehabt hatte (vgl. unten). Als „Zufluchtsort am Todesstreifen“ (innerdeutsche Grenze) stehe die Gehülzer Michaelskirche klein und schlicht auf dem „Haßlacher Bergrücken“, schrieb das Sonntagsblatt. Den vielen falschen Ideen und Ideologien in beiden Teilen Deutschlands sage das Evangelium den Kampf an, gab sich Vikar Gerbig kämpferisch im Sinne des Erzengels Michael.

St. Bonifatius: Bedeutung vor Ort
Bei der Gehülzer St.-Bonifatius-Pfarrei spielt das Patrozinium im Jahresablauf keine hervorgehobene Rolle – auch nicht anlässlich des Bonifatius-Gedenktags am 5. Juni.
Wegen einer Finanzspritze für den örtlichen Kirchenbau im Jahr 1919 ging der Diözesan-Bonifatiusverein als „Wohltäter“ in die Geschichte der Pfarrei ein. Aufgrund dieser Wohltäterschaft wurde der heilige Bonifatius dann auch Namenspatron der Notkirche, die man 1921 aus zwei ehemaligen Döckerbaracken des Flugplatzes Bamberg errichtete. 1924 warb Kuratus Georg Mann vor Ort vehement für einen Bonifatiusverein, was offenbar im Zusammenhang mit dem angestrebten Bau einer neuen Kirche anstelle der schadhaften Notkirche stand. Der 1933/34 entstandene Neubau übernahm das Bonifatius-Patrozinium von der Notkirche. Anlässlich des 1200. Todestags von Bonifatius veranstaltete die Pfarrei Breitenloh 1954 eine „Bonifatius-Woche“ mit Wallfahrt nach Fulda zum Grab des Heiligen. Auf zwei der vier Glocken der St.-Bonifatius-Kirche werden die „Haßlacherberg-Heiligen“ angerufen. Die beiden betreffenden Glockeninschriften lauten: „Heiliger Bonifatius, bitte für uns“ und „Heiliger Erzengel Michael, verteidige uns im Kampfe“.

ST. MICHAEL

„Patron der Deutschen“
Der gerne mit Rüstung, (Flammen-)Schwert und Seelenwaage dargestellte, streitbare Erzengel Michael, dessen (hebräischer) Name „Wer ist wie Gott?“ bedeutet, wurde zum verehrten „Patron der Deutschen“, allerdings auch zum verspotteten „deutschen Michel“. Ob diese Spottfigur auf den heiligen Michael zurückgeht, ist jedoch umstritten. Alte Überlieferung ist, dass man dem Erzengel Michael gerade auf Bergeshöhen Kirchen und Kapellen errichtete. Ihm geweihte Bergkirchen („Michaelsberge“) hatten bisweilen heidnische Wodanskultstätten verdrängt. „An Michaeli ist Kirchweih im Himmel und auf Erden“, besagt ein alter Volksspruch, der darauf zurückgeht, dass viele Gotteshäuser St. Michael geweiht sind und ihr Patrozinium zusammen mit der Kirchweih festlich begangen wird.
Michael ist eine ökumenische Gestalt. Er hat über alle christlichen Konfessionsgrenzen hinweg, ja sogar auch in vor- und außerchristlichen Religionen, Verehrung erfahren. Der Hauptgrund für die globale Verbreitung des Namens Michael liegt in der Tatsache, dass es sich bei ihm um eine himmlische bzw. biblische Gestalt ohne irdische Biographie handelt.

Teufelsbezwinger und Seelenwäger
Im Christentum gilt Michael insbesondere als Bezwinger des Teufels in Gestalt des Drachen, als Anführer der himmlischen Heerscharen und als Hüter des Paradiestores. Auch spielt Michael eine wichtige Rolle im Totenkult des traditionellen Volksglaubens, wonach er ein Verzeichnis der guten und schlechten Taten eines jeden Menschen erstellt, auf dessen Basis am Tag des Sterbens sowie am Jüngsten Tag als Seelenwäger richtet und die Seele des Verstorbenen auf ihrem Weg ins Jenseits geleitet.
Die ältesten Michaelsbilder, die sich in der Ostkirche erhalten haben, sind Elfenbeinschnitzereien aus dem 3. bis 5. Jahrhundert. Von der Ostkirche ging die Michaelsverehrung auf das Abendland über. In den frühchristlichen und frühmittelalterlichen Darstellungen erscheinen die Erzengel Michael und Gabriel namentlich in zwei Funktionen: zum einen als Thronassistenten oder nächste Begleitfiguren Christi, zum anderen als Wächter in militärischer Haltung.

Luther: „Michael = Christus“
Speziell dem evangelischen Christentum mit seinem Prinzip der uneingeschränkten Schriftbezogenheit des Glaubens kamen die biblischen Michaels-Erwähnungen entgegen. Auch wenn der Protestantismus weder einen Heiligenkult noch eine Engelsverehrung im eigentlichen Sinn kennt, ist doch nicht zu übersehen, dass in ihm die Verehrung des Erzengels Michael eine beachtliche Bedeutung hat. Das ergibt sich allein schon aus der Vielzahl evangelischer Michaelskirchen. Auch eine evangelische Michaelsbruderschaft und die Michaelis-Kantaten von Johann Sebastian Bach sprechen dafür. Das Michaelisfest wurde von der Reformation übernommen, wobei die schon mittelalterliche Tradition eine Rolle spielte, im Erzengel Michael eine Abbildung des Sohnes Gottes zu sehen und ihn sogar mit Christus selbst zu identifizieren. Die liturgische Farbe des Michaelisfestes ist Weiß – ein Hinweis auf die Christusbezogenheit dieses Festes. In einer berühmten Predigt zum Michaelistag 1544 stellte Martin Luther selber die Gleichung „Michael = Christus“ auf, die er unter anderem mit dem Namen Michael begründete: Michael heiße „Gott gleich“, und dieser Name komme allein Jesus Christus zu.

„Mutmachfest“ Michaelis
Nach der Offenbarung wird Michael am Ende der Zeiten die Mächte der Finsternis vertreiben und die Seligen an der Himmelspforte empfangen. So zelebriert das „Mutmachfest“ Michaelis rechtzeitig vor Beginn der trüben und stürmischen Jahreszeit den Sieg des Guten über das Böse. Theologisch geht der Kampf Michaels um Gottes Herrschaft mit dem Ostersieg Christi Hand in Hand. Die Botschaft des Erzengels besagt: Für jeden, der sich für Jesus entschieden hat, tritt dieser vor dem Thron des Vaters ein und bahnt ihm den Weg in die ewige Herrlichkeit. Jeder Christ kann seinen Weg in der Gewissheit gehen, die der evangelische Theologe und Märtyrer Dietrich Bonhoeffer in die Worte fasste: „Christus gibt nichts von dem auf, was er erwarb, sondern er hält es fest in seiner Hand.“
Apropos „Mutmachen“: Für Martin Luther war die Existenz von (Schutz-)Engeln Realität. Er beschloss seinen Morgen- und Abendsegen mit den Worten: „Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde.“ Auch Dietrich Bonhoeffer zog die richtigen Folgerungen aus dem Glauben an den Schöpfer der sichtbaren und unsichtbaren Welt, als er zur Jahreswende 1944/45 seine berühmten Sätze schrieb: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Engel vermitteln Segen und Heil
Engel sind nicht Gott und auch keine Götter. Laut Kompendium des Katechismus der katholischen Kirche sind Engel (im engeren Wortsinn) rein geistige, körperlose, unsichtbare und unsterbliche Geschöpfe und mit Verstand und Willen begabte personale Wesen. Engel haben allein dienende Funktion im Bezug auf den alleinigen Gott. Darauf deuten auch die Namen der namentlich benannten Erzengel: Michael – Wer ist wie Gott? Gabriel – Der Starke Gottes. Rafael – Gott heilt. Gott ist der allein Handelnde im Werk seiner Engel. Wie handeln aber die Engel? Dazu das (evangelische) „Sonntagsblatt THEMA“ 6/2008: Engel bringen Rettung und Stärkung, sie bewahren und beschützen, sie berufen und geben Richtung, sie sind Wächter an der Grenze zur unsichtbaren Welt Gottes, sie treten als Gerichtsengel und im Kampf gegen Teufel und Dämonen in Erscheinung. Wo von Engeln die Rede ist, werden Zusammenhänge sichtbar, die zuvor verborgen waren. Der Benediktinermönch Paulus Gordan († 1999) führte aus: „Was über die Engel gesagt wird, will nichts anderes verkünden als diese beglückende Botschaft: dass Gott sich in tausenderlei Weise mit uns befasst.“ Es geht bei alledem also nicht um eine okkulte Engellehre, sondern um die biblische Tatsache, dass Gott uns immer wieder seine Boten schickt.
An Michaelis 2002 predigte Pfarrerin Alina Ellgring in Gehülz über Engel, die laut Hebräerbrief „dienstbare Geister“ sind, „ausgesandt zum Dienst um derer willen, die das Heil ererben sollen“. Zur Michaeliskirchweih 2005 deutete Pfarrerin Petra Bosch den Namen Michael(skirche) als Hinweis auf die lebenslange Suche nach Gott, als Bestärkung im Glauben an den beschützenden Gott und als Ermunterung, untereinander Boten Gottes zu werden.

ST. BONIFATIUS

Winfri(e)ds Festlandmission
Der um 672/675 in Wessex geborene und in Benediktinerklöstern ausgebildete Winfri(e)d (Wynfreth) nahm eine Schlüsselstellung bei der Christianisierung, kirchlichen Organisation und geistlichen Erneuerung Germaniens ein. Als Ausdruck der Bindung an Rom und den Papst erhielt er 719 den Namen eines römischen Märtyrers, Bonifatius („der Wohltäter“), den er dann ausschließlich verwandte. 719 wurde er mit der Heidenmission beauftragt, 722 zum Bischof geweiht, 732 zum Missionserzbischof erhoben und 738 als päpstlicher Legat für Germanien bestellt. Ein besonderes Ereignis ist aus dem Jahr 723 überliefert, als Bonifatius bei Geismar eine dem Heidengott Donar geweihte Eiche fällen und aus deren Holz in Fritzlar eine Kapelle erbauen ließ. Am 5. Juni 754 wurde Bonifatius bei Dokkum ermordet. Er war, wie die Untersuchung seiner in Fulda aufbewahrten Gebeine ergeben hat, mit seiner Größe von 1,85 m bis 1,90 m für die damalige Zeit ein schon äußerlich sehr auffälliger Mann, dessen Eindruck noch durch die Wortgewalt vertieft wurde, mit der er seine Predigten vortrug.
Der „Wegbereiter des (christlichen) Abendlandes“, wie Bonifatius auch genannt wurde, ist ikonographisch an seinem bischöflichen Habit sowie dem Kreuzstab zu erkennen und führt als Zeichen seines Martyriums ein Buch mit sich, das von einem Dolch oder Schwert durchbohrt ist. Eine Fußgeisel in der Hand verweist auf sein strenges Vorgehen gegen unwürdige Kleriker und gegen Ketzer.

Bildpredigt des Bonifatius
Mit dem Bekehrungswirken des Bonifatius hängt es zusammen, dass – salopp ausgedrückt – das Kreuz in die Kirchen kam. Der Glaubensbote stand vor der Frage, wie man nachhelfen könnte, dass die „äußerlich Bekehrten“ die Glaubensinhalte verinnerlichten. Gerade der Kreuzestod Christi, Kernstück des christlichen Glaubens, war nur schwer zu vermitteln. Diejenigen germanischen Stämme, die jenseits des Limes außerhalb des Römischen Reiches und der römischen Gesetzgebung lebten, hatten diese Hinrichtungsart nie kennengelernt. So war die Veranschaulichung des Kreuzigungsgeschehens für Bonifatius ein besonderes Anliegen. Für seinen Bischofssitz in Mainz ließ er um 750 einen großen Kruzifixus aus Lindenholz schaffen. Dieser ermöglichte – noch mehr als ein gemaltes Bild vom Gekreuzigten – die Identifizierung mit dem leidenden Christus und die Verinnerlichung der Glaubensbotschaft. Bonifatius’ Zugriff auf das Bildwerk des Gekreuzigten, das bereits im 6. Jahrhundert in der Christenheit formuliert worden war, wurde zum Signal. Der Kruzifixus verband sich in der Folge wie selbstverständlich mit der Christianisierung im Frankenreich und wird bereits in den schriftlichen Quellen des 9. Jahrhunderts als ein aus edlen Metallen gestaltetes Kultbild mehrfach erwähnt. Mit ihm zog die Skulptur als Teil der bildenden Kunst in die Kirchen ein.

Ausrichtung auf das Papsttum
Bonifatius war kein bedeutender Theologe, aber er verband missionarischen Eifer mit einer seltenen Begabung für Organisation und Administration. Seine geschichtliche Bedeutung wird unterschiedlich gesehen, wobei sich die kirchliche und die politische Interpretation seines Wirkens teilweise erheblich widersprechen. Aus historisch-kirchlicher Sicht besteht seine Bedeutung in der zielgerichteten Ausrichtung der von ihm geschaffenen Kirchenstrukturen auf das Zentrum Rom und das Papsttum. Historisch-politisch ist festzuhalten, dass die Glaubenseinigung des Frankenreiches ein stabilisierender Faktor der fränkischen Oberhoheit über Land und Leute war. Das Bündnis zwischen Papsttum und Karolingern wurde in der Folge zu einer bestimmenden Konstante des Frankenreiches. Die zugleich darin angelegte Frage der Vorherrschaft der einen oder anderen Seite spielte jedoch bis zum Ende der fränkischen Dominanz in Mitteleuropa keine herausragende Rolle.

„Apostel der Deutschen“
Erst im 19. Jahrhundert trat die Verehrung des frühmittelalterlichen Heiligen deutschlandweit in Erscheinung. Im Zuge der nationalen Bewegung wurde Bonifatius zum „Apostel der Deutschen“. Diese Bezeichnung basiert auf einer Wertung aus Sicht der katholischen Kirche, da Bonifatius insgesamt gesehen weniger missionierte, als die Bindung bestehender Gemeinden an das Papsttum durch ein Bündnis mit den Herrschern sicherstellte. So wurde die Bonifatiusfigur, die bis dahin in der „Polarität Monotheismus versus Polytheismus/Heidentum“ gestanden hatte, Mitte des 19. Jahrhunderts ein „Teil des Gegensatzes Katholisch versus Protestantisch“. Nach 1933 war die Bonifatiustradition eines der historischen Felder, auf denen die katholische Kirche und der Nationalsozialismus um die Definitionsmacht kämpften. Nach 1945 wurden Bonifatius und seine Mission nicht mehr vornehmlich auf Deutschland, sondern auf das „christliche Abendland“ bezogen. Die Bonifatiustradition war nunmehr wieder bikonfessionell. Heutzutage wird Bonifatius unter den „ökumenischen Heiligen“ aufgeführt.

Mahner zur Rückbesinnung
Das Bonifatiusjahr 2004 zum 1250. Todestag stand im Zeichen „kritischen Gedenkens“. Insbesondere evangelische Kirchenvertreter bezeichneten die extreme Romtreue des Bonifatius und seine oft vom „Eisen der Zerstörung“ geprägte Missionierung als problematisch. Gleichwohl sei Bonifatius für Katholiken und Evangelische „ein ganz wichtiges Kapitel der gemeinsamen Kirchengeschichte“ und ein Vorfahre, „der uns neu in den christlich ausgedünnten Verhältnissen herausfordert“. Der Angelsachse Bonifatius, der „den Grundstein für das Bündnis der Frankenherrscher mit dem Papst in Rom und damit für das christliche Europa überhaupt“ gelegt hatte, diente in seinem Gedenkjahr als Mahner zu einer Rückbesinnung auf die christlichen Grundlagen des zusammenwachsenden Europas.
Zum 75-jährigen Jubiläum der Gehülzer Bonifatiuskirche 2009 fragte der Bamberger Erzbischof Dr. Ludwig Schick nach der Bedeutung des Bonifatius und seiner Missionsstrategie „für die Kirche unserer Zeit“. Schick führte in diesem Zusammenhang aus: „Wir brauchen Zeugen, die glaubwürdig die frohe Botschaft verkünden, Zellen, von denen aus der Glaube in die Umgebung ausstrahlen kann, und Ziele, die man auch bei Gegenwind nicht so schnell aus den Augen verliert.“

Bernd Graf
im Juli 2009