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HEIMAT-SPLITTER und NOTIZEN ZUR ZEIT

 

 

Am Fuße des Haßlacherbergs in Kronach, wo die Obere Ziegelangerstraße zum Stadtteil Ziegelerden, die Dobersgrund-Straße nach Gehülz-Süd und die Breitenloher Straße nach Gehülz-Nord beginnen und wo der Stadtteil Seelach (laut Ortsschild) bis an die Ludwigsstädter Straße heranreicht – dort ganz in der Nähe steht das Landratsamt, dessen Sachgebiet Öffentlichkeitsarbeit/Kreisheimatpflege auf der Homepage des Landkreises Kronach unter anderem die beiden ehemaligen Rubriken „Heimat-Splitter“ und „Notizen zur Zeit“ betreute.

Unten finden Sie eine Auswahl interessanter Beiträge aus diesen Rubriken (2008 – 2010).

Links sehen Sie das Logo der Kreisheimatpflege Kronach mit dem Landkreiswappen.

 

 

 

 

 

Nur was man kennt, schätzt und schützt man:
„In Boden und Stein – Denkmäler im Wald“
(2010)  -  So lautet der Titel einer 2009 von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) und vom Zentrum Wald Forst Holz Weihenstephan herausgegebenen Broschüre, die ein Bewusstsein für die historische Bedeutung der in den Wäldern zahlreich vorhandenen Bodendenkmäler vermitteln will. Anschaulich informiert das Heft unter anderem über Höhlen und Felstürme, Grabhügel, keltische Viereckschanzen, Burgen, Wüstungen und landwirtschaftliche Reliktfluren, Kirchen im Wald, Kohlgruben und Meilerplatten, Kalk- und Pechöfen, Wald und Glasherstellung, Bergbau und Hüttenwerke, Steine und Gräben, Steine und Grenzzeichen, Wegespuren, Kanäle und Floßteiche, Wegkreuze, Martern und Bildstöcke, Orte der Erinnerung und Spuren der neueren Zeit.
Eingegangen wird auch auf die Gefährdung und Störung sowie den Schutz und Erhalt der Denkmäler. „Nur was man kennt, schätzt und schützt man“, lautet ein Grundgedanke der Publikation. Der aus dem Landkreis Kronach stammende LWF-Präsident Olaf Schmidt verweist in seiner Einführung darauf, dass eine schonende Waldwirtschaft – und hierbei vor allem ein behutsamer Maschineneinsatz – der beste Schutz für die Bodendenkmäler ist.

Kulturlandschaft und ihre Elemente:
erfassen, erhalten, vermitteln
(2009)  -  Erhebung und Inventarisierung von Kulturlandschaft und ihren Elementen sind unverzichtbar für den langfristigen Erhalt dieser Kulturgüter. Dazu ist es nötig, dem vorhandenen kulturellen Erbe eine verstärkte öffentliche Wahrnehmung zu ermöglichen. Der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU), für den „Kulturlandschaft“ ein traditioneller Arbeitsschwerpunkt ist, hat 2008 den Tagungsband „Kulturlandschaftliche Informationssysteme in Deutschland“ herausgegeben.
Einen der rund 30 Beiträge darin („Das Spannungsfeld zwischen Expertentum und Ehrenamt bei der Erfassung und der Erhaltung der historischen Kulturlandschaft“) hat Dr. Thomas Gunzelmann verfasst, der sich im Landkreis Kronach unter anderem mit der „Erfassung der Denkmäler und der Kulturlandschaft der Flößerei im Frankenwald“ einen Namen gemacht hat. Dieses Projekt stellt er, gemeinsam mit Christine Dorn, im „Heimatkundlichen Jahrbuch des Landkreises Kronach“ 24/2003-06 vor. Im selben Buch informiert Dr. Thomas Büttner über die „historische Kulturlandschaft des Landkreises Kronach“ und seine 24 Kulturlandschaftsräume. In seinem oben genannten Beitrag im BHU-Band unterstreicht Denkmalpfleger Gunzelmann, dass man bei der Kulturlandschaftserfassung und -pflege in hohem Maße auf die Mitwirkung ehrenamtlicher Kräfte und auf die Wertschätzung durch die gesamte Öffentlichkeit angewiesen sei.

In der fränkisch-thüringischen Heimatregion
an der Vollendung der Einheit weiterarbeiten
(2008 - 2009)  -  Fast zwei Jahrzehnte nach der „deutschen Wende“ sei an der oberfränkisch-thüringischen Grenze die Verbundenheit der Christen von „hüben und drüben“ stark gewachsen, berichtete der Evangelische Pressedienst (epd) laut Sonntagsblatt (sob) Oberfranken und Unterfranken. 2009 sei es 20 Jahre her, „dass die innerdeutsche Grenze geöffnet und abgerissen wurde, die vielen den Tod brachte und anderen die Freiheit nahm“, stellten Vertreter des Dekanats Ludwigsstadt sowie der Kirchenkreise Sonneberg und Rudolstadt-Saalfeld fest. Aus diesem Gedenk- und Dankanlass fand im Juni 2009 an der „Kalten Küche“ nahe Spechtsbrunn ein gemeinsamer Rennsteigkirchentag statt.
Im Gedenken an die Öffnung der innerdeutschen Grenze vor 20 Jahren gab es am 9. November 2009 im Haus des Volkes in Probstzella eine Festveranstaltung des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt, an der auch der Kreistag Kronach teilnahm. Kronachs Landrat Oswald Marr erinnerte in seiner Rede daran, dass auf 102 Kilometern Länge der Eiserne Vorhang den Landkreis Kronach von seinen Nachbarn in Thüringen schmerzlich getrennt hatte. „Die Öffnung und anschließende Aufhebung der deutsch-deutschen Grenze markierten einen grundlegenden Wendepunkt für unsere Heimatregion“, betonte Marr, der bei seiner Bilanz nach 20 Jahren das partnerschaftliche Verhältnis zwischen den Kommunen beiderseits der „Nahtstelle“ und mehrere gemeinsame Projekte thematisierte. An der Vollendung der Einheit Deutschlands, so Marr, gelte es – gerade auch „hier in unserer thüringisch-fränkischen Heimatregion“ – weiterhin nach Kräften zu arbeiten.

Steckrübe wurde Hauptnahrungsmittel –
„Im Interesse der hungernden Bevölkerung“
(2008)  -  Unter diesem Titel steht eine auch im Landratsamt Kronach gezeigte Ausstellung des Deutschen Landkreistags zu seiner Gründung im Ersten Weltkrieg. Zum ersten Mal sei in diesem Krieg die gesamte Bevölkerung in das Kriegsgeschehen mit eingebunden gewesen, heißt es in der Ausstellungsdokumentation. „Die Mobilisierung der Zivilbevölkerung und ihre Bereitschaft, Entbehrungen auf sich zu nehmen, bekam strategische Bedeutung für den Kriegsverlauf.“ Die Masse des Volkes musste bitter hungern. Rund 750.000 Menschen starben während des Krieges im Deutschen Reich an Unterernährung und deren Folgen.
Ihren traurigen Höhepunkt erreichte die Ernährungskrise im berüchtigten Steckrübenwinter oder Hungerwinter 1916/17. Es gab nicht mehr genug Kartoffeln, die bis dahin Brot und Mehlprodukte ersetzt hatten. Die nährwertarme Steckrübe wurde zum Hauptnahrungsmittel eines Großteils der Bevölkerung. Patriotische Kriegskochbücher sollten Hausfrauen auf den Krieg einschwören und den Durchhaltewillen der „Heimatfront“ stärken. Auch um Einfluss auf die „Gestaltung der Verteilung der Lebensmittel durch die Reichsstellen“ zu gewinnen, wurde 1916 der kommunale Spitzenverband der Landkreise gegründet.

„Kürbisgruselkult“ an Halloween:
Konkurrenz zu Reformationstag/Allerheiligen?
(2008)  -  In Halloween, dem „Kürbisgruselkult“ am 31. Oktober, sieht „Focus Online“ eine „Konkurrenz für Reformationstag und Allerheiligen“, das evangelische Magazin „chrismon“ spricht von einem „künstlichen Brauch mit Schattenseiten“ und von einem „Mischfest aus Fasching, Erntedank und Martinstag“. Dabei verweist Burkhard Weitz auf den Volkskundler Helge Gerndt (Universität München), der es für unwahrscheinlich hält, dass das moderne Halloween mit keltischen Bräuchen zu tun habe, was nicht nur von Esoterikern, Neuheiden und Satanisten betont wird.
Dass Halloween eine oberflächliche Spaßkultur fördere, eine unsinnige Geschäftemacherei sei und einen Rückfall in irrationalen Geisterglauben bewirke, beklagt das Erzbistum Bamberg. Nachdem der „Süßes-oder-Saures“-Spruch der umherziehenden „Gespensterkinder“ offenbar immer mehr als Vorwand für Sachbeschädigungen genutzt wurde, wird auf der Internetseite „Das Luther-Bonbon“ zu gewaltlosem und rücksichtsvollem Verhalten beim Heischegang aufgerufen. In Sachen Feiertagsschutz erklären Regierung von Oberfranken und Landratsamt Kronach, dass öffentliche Halloween-Unterhaltungsfeiern, die nicht dem ernsten Charakter des „stillen Tages“ Allerheiligen (1. November) entsprechen, an diesem verboten sind. Ein ähnlich respektvoller Umgang wäre auch für den in Bayern feiertagsgesetzlich nicht geschützten Reformationstag am 31. Oktober wünschenswert, so die Behörden.

Der Tod wird als Puppe („Duodela“)
aus dem Dorf getragen und vernichtet
(2008)  -  Der in Ziegelerden alljährlich ausgeübte Brauch des Todaustragens – mundartlich „Duodla“ oder „Duodela nausdroung“ – wurde beim Museumsfest „Kirche, Kunst und Handwerk“ auf der Festung Rosenberg in Kronach vorgestellt. Der Vorsitzende des Heimatpflege-Vereins Gehülz/Seelach/Ziegelerden, Bernd Graf, erläuterte zunächst Ursprünge und Bedeutung des Todaustragens. Dem Brauch werde es nicht gerecht, wenn man ihn lediglich als Überbleibsel heidnischer Frühlingsfeste ansehe, denn Pestepidemien und Einflüsse des Christentums „dürften wesentlichere Rollen im Werdegang dieses Brauches gespielt haben“.
Unter Leitung von Armin Herbst führten anschließend Kinder der Filialgemeinde St. Michael Ziegelerden vor, wie in ihrem Ort die Brauchausübung seit alters her vonstatten geht: Jeweils unter Aufsagen von überlieferten Heischeversen werden im Dorf zunächst Lumpen zum Bekleiden der mitgeführten Puppe und später – nach deren Hinaustragen und Verbrennen – Eier und Geld als Belohnung eingesammelt. Der Brauch, der allgemein mit dem Mittfastensonntag Lätare in Verbindung steht und deshalb Vorfreude auf die österliche Vernichtung des Todes ausstrahlt, wird in Ziegelerden erst am nachfolgenden Judika-Wochenende praktiziert.

Heimat in Zeiten von Globalisierung und Mobilität:
Rückkehr zu eigenen Wurzeln bleibt wichtig
(2008)  -  „Heimat existiert“. Unter dieser Überschrift wies die Süddeutsche Zeitung (SZ) darauf hin, dass auch in „Zeiten der Globalisierung und grenzenlosen Mobilität“ die „Rückkehr zu den eigenen Wurzeln“ eine „erstaunlich große Bedeutung für die Menschen“ habe. Laut einer aktuellen Umfrage lebten 55 Prozent der Bundesbürger noch an ihrem Geburtsort oder in einer Nachbargemeinde. Wie bei jedem historischen Großtrend werde auch bei der Globalisierung die Reichweite und Tiefenwirkung überschätzt, schrieb Gustav Seibt. „Vielleicht wohnen die Menschen bald generell wieder enger beieinander und näher bei ihrer Arbeit, wenn Bewegung zum Luxus wird.“