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Wenn schon Mundart, dann doch bitte die heimische!

„Ein Stich ins Herz der Franken“. So bezeichnete die Süddeutsche Zeitung (SZ) vom 10. Oktober 2008 die „oberbayerische Intrige“ gegen den „ersten evangelischen Ministerpräsidenten aus Franken“, Günther Beckstein, die zu dessen „erzwungenem Rücktritt“ und infolgedessen zu einem fränkischen „Sturm der Entrüstung“ führte, der „mit nichts aus der näheren Vergangenheit zu vergleichen“ sei. Bereits am 4. Oktober 2008 hatte es die SZ als Zeichen von Arroganz und Unterentwicklung gewürdigt, wenn Oberbayern („Ober-Bayern“) als „die Steigerung von Bayern“ verstanden werde und die anderen Stämme im Freistaat missachtet würden.

A Hejfela Kaffej
So weit, so schlecht. Vielleicht sollten wir Franken aber nicht nur das Verhalten der Altbayern und speziell der Oberbayern gegenüber dem Fränkischen hinterfragen, sondern auch unser eigenes. Das könnte schon bei ganz alltäglichen Dingen wie dem Sprachgebrauch beginnen.
Warum beispielsweise werden auf Kronacher Speisekarten „Schwammerl“ angeboten und nicht „Pfiffe“ oder „Schwamma“? Wer meint, die heimisch-fränkischen Begriffe seien weniger verständlich als der bayerische, der könnte ja zur Not noch hochdeutsch „Pilze“ schreiben. Und warum muss man bei Festivitäten im „Kronacher Land“ seinen Kaffee (wenn einem eine Tasse nicht reicht) aus einem „Haferl“ trinken? Wenn man schon beim Schreiben des fränkischen „Hejfela“ Schwierigkeiten hat oder solche beim späteren Lesen dieses sympathischen Wortes befürchtet, täte es ja vielleicht auch der „Beche(r)“ oder eine andere fränkische oder hochdeutsche Alternative.

„Edds blaude iich!“
Warum – um noch ein drittes Beispiel zu bringen – werden in der Lucas-Cranach-Stadt die Senioren zu einem Gedankenaustausch mit dem „neuen Bürgermeister und seinen Stadträten“ unter dem Motto „Jetzt red' i“ eingeladen? Zur fränkischen Identität in dieser fränkischen Kleinstadt trägt der Titel ja nicht gerade bei. Und von fränkischem Selbstbewusstsein zeugt er auch nicht. „Die Ausdrück’ in unserer Sprach’, die mit Fränkisch rein nix zu tun haben“, monierte auch der als „Frankensima“ bekannte Philipp Simon Goletz (Frankenpost Hof vom 13. August 2008), wobei er besonders gegen den Ruf „O’zapft is!“ bei Bieranstichen im „Bierland Oberfranken“ anschrieb und die „fränkischen Volksvertretersichelhaxen im hirschledernen Trachtennachschnitt“ mit einem „geschnitzten Sepperl-Imitat“ verglich.
Also: Wenn schon Mundart, dann doch bitte die heimische und keine Fremd-Mundart!

(Bernd Graf / 16. 10. 2008)

Ein „tierischer“ Nachtrag  (19. 10. 2009)
„’s Antla“ heißt ein neues Brau- und Wirtshaus in Kronachs Oberer Stadt. Dass man in und um Kronach eine kleine Ente mundartlich nicht „’s Antla“, sondern „es Entla“ nennt, legte Hans Blinzler, Mundartbeauftragter des Heimatpflege-Vereins Gehülz/Seelach/Ziegelerden und Kreisrat, in den Kronacher Tageszeitungen Mitte September 2009 dar. Blinzlers Hoffnung, der Besitzer der neuen Gaststätte ließe sich noch von der Sinnigkeit einer mit dem örtlichen Dialekt im Einklang stehenden Namensgebung überzeugen, wurde allerdings enttäuscht. Vielmehr schlug „’s Antla“ in Neuer Presse und Fränkischem Tag Kronach vom 19. Oktober 2009 gnadenlos zu. In jeweils einer großen Farbanzeige und mehr als 30 Kleinanzeigen – mit oder ohne Entenlogo – sollte den Kronachern anscheinend eingebläut werden, dass „es Entla“ in Kronach ab sofort gefälligst „’s Antla“ zu heißen hat. Zwischen Bekanntschafts-, Kfz- und Todesanzeigen war die neue Sprachregelung einprägsam platziert und mit allerlei ähnlich (un-)sinnigen Sprüchen garniert. Der für „Antlabräu“ abgewandelten Kinderliedzeile „Alle meine Antla schwimm’n in meinem Bauch“ folgte eine kurze Textpassage, der man als Zeitungsleser nicht widersprechen mochte: „– jetzt wird’s peinlich“. Hatte man sich von dieser und anderen Peinlichkeiten etwas erholt, bekam man auf www.antla.de dann doch noch die befreiende Erkenntnis geliefert, dass man es sich selber zuzuschreiben hatte, wenn einem wegen seiner langen Leitung so lange der Durchblick gefehlt hatte: „Etzat habbis g’schnallt – mit Antla mahna di a Entla...“