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Der „Gut Hirt“ – Psalm 23 in Gehülzer Fränkisch

(A Lied ven David.)

(1) Der Herr is ze mich wie a gute Hirt ze seina Schejfla.
Deswejng leid ich aa ka Nuot.
Er gibt me alles, wos ich brauch.
Es fejlt me oa werglich goa neggs.

(2) Er tut mich weidn auf safticha Wiesn
und führt mich zen frischn Wasse noa,
däss ich mich lab koa beim Trinkn.

(3) Er erquickt mei Sijel und stillt mei Velanga;
und er gibt me neua Kroaft.
Er führt mich auf sichera Wejch, denn er is ja der gut Hirt.
Dou defür börchd er mit sein heilinga Noama.

(4) Aa wenn ich im Dunkln tapp und wenn ich ganz untn bin,
ich förcht mich vo kann Unheil.
Du, Herr, bist ja bei me.
Du beschützt mich mit dein Hirtnstoab und führst mich.
Des macht me Mut.

(5) Du leddst mich ei und deckst dein Tiisch für mich
vo die Aang ve meina Feind.
Du begrüßt mich wie a Hausherr an willkommena Gast
und machst mein Beche vuol zen Übelaafn.
Dei Gnad und Barmherzichkeit wään mich begleitn
oa jejdn neua Touch und mei ganz Lejm lang.
In dein Haus däff ich bleib fe ümme und ejwich.


Den „Psalm vom guten Hirten“ in obiger Mundartfassung von Bernd Graf trug erstmals Helga Biesenecker bei der DreifaltigkeitsWALKfahrt am 11. Juni 2010 am ehemaligen Schafhof von Gehülz-Geiersgraben vor (Foto links). Die Frage „Warum in Mundart?“ wurde dabei so beantwortet: „Mundart nimmt der Heiligen Schrift nichts von ihrer Würde. Aber: Mundart schafft Nähe und Vertrautheit. Und: Mundart hat eine Ausdruckskraft, an die das Hochdeutsche nicht herankommt.“

Wie Bernd Graf bei der Veranstaltung erläuterte, sei Jesus Christus in den ersten Jahrhunderten meistens als der gute Hirte dargestellt worden, bevor Darstellungen des Gekreuzigten oder des Auferstandenen üblich geworden seien. Jesus habe sich selbst als den guten Hirten bezeichnet, der dem verlorenen Schaf nachgeht, der sein Leben für seine Schafe hingibt und ihnen das ewige Leben gibt. Bereits in vorbiblischer Zeit habe das Weiden der Schafe als Sinnbild für die Leitung und Regierung eines Volkes gegolten. Entsprechend werde schon im Alten Testament Gott als der gute Hirte seines Volkes bezeichnet, und auch auf den verheißenen Messias sei das Bild schon damals angewendet worden. Darauf beziehe sich Jesus, wenn er im Neuen Testament von sich sage: „Ich bin der gute Hirte.“

Graf zitierte aus einem christlichen Kalenderblatt, auf dem er für Menschen, die von Sorgen geplagt werden, folgenden Rat gefunden hatte: „Wenn Sie nicht schlafen können, zählen Sie keine Schäfchen, sondern sprechen Sie mit dem Hirten!“