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Vierte DreifaltigkeitsWALKfahrt am Denkmaltag 2010

Kapellennothilfe, Tauferinnerung, gemalte und in Stein gehauene Trinität 

Am Tag des offenen Denkmals 2010 führte die DreifaltigkeitsWALKfahrt von Heimatpflege-Verein und TVE durch den Dobersgrund mit seinen Flurkapellen nach Ziegelerden zur dortigen St.-Michael-Kirche. Eingebunden in diese Tour waren die beiden Denkmaltags-Veranstaltungen „Kapellennot am kleinen Pilgerweg“ im Dobersgrund und „Tauferinnerung, Dreifaltigkeit und Ökumene“ in Ziegelerden. Erfreulich waren das spätsommerliche Wetter, die Teilnehmerzahlen (WALKfahrt ca. 30, Kapellenweg ca. 50, Tauferinnerung ca. 90) und die Resonanz auf das gemeinsam Erlebte.
Fotos vom Denkmaltag 2010 von Michael Khlopkov (5), Reinhard Weber (2), Heike Schülein (1) und Bernd Graf (4) folgen unter dem Text.

Dobersgrund: Nothilfe für das Nothelfer-Kapellchen
Bernd Graf (Landratsamts-Sachgebiet Öffentlichkeitsarbeit/Kreisheimatpflege) begrüßte die Teilnehmer im Namen aller Mitveranstalter. Der akademische Bildhauer Heinrich Schreiber stellte das überschwemmungsgefährdete Vierzehn-Nothelfer-Kapellchen am Dobersgrundbach, die Initiative und Maßnahmen zur baulichen Erhaltung und Neubelebung dieses Kleinods sowie die von ihm für das Kapellchen geschaffenen, neuen Keramikkacheln mit den Vierzehn Nothelfern vor. Noch stehe man vor der Herausforderung, die Stätte trockenzulegen und ohne Gefährdung durch den Straßenverkehr zugänglich zu machen, so Schreiber. Zu erfahren war auch, dass eine früher an der Rückwand des Kapellchens befindliche Blechtafel mit den Vierzehn Nothelfern (vgl. Heimatpflege-Vereins-Schriftenreihe Band 1/1988 S. 70 f.) restauriert wird und nach Möglichkeit museal dargeboten werden soll.
In der nahen Dreifaltigkeitskapelle am Paulusgrabenbach galt einem Gemälde, das die himmlische und die irdische Trinität zeigt, das besondere Interesse (dazu vgl. hier und hier). Mit dem Wunsch, dass diese schmucke Kapelle öfter aufgesucht werden möge, wurde der Hinweis verbunden, dass die Volksschule Gehülz-Ziegelerden ihren letztjährigen Schuljahresabschlussgottesdienst an dieser „versteckt liegenden“ Stätte gehalten hatte. Die Walker und Wanderer bewegten sich unter Führung von Susanne Weber vom unteren Dobersgrund in Richtung Kestel, bis sie den Dobersgrundbach (auch Kestelbach genannt) überqueren konnten, um sich dann den Berg hinauf zur Ziegelerdener Michaelskirche zu begeben.

Ziegelerden: Ökumenische Tauferinnerungsandacht mit Segnungsritual
Im Ziegelerdener Gotteshaus bildete Heinrich Schreibers Trinitätssteinzyklus (siehe hier), den der Künstler persönlich erläuterte, den Aufhänger für eine ökumenische Andacht mit dem Schwerpunktthema Tauferinnerung, die von Pfarrerin Susanne Treber und dem neuen Kronacher Kaplan Dieter Hinz gehalten wurde und die Taufe auf den Namen des dreieinigen Gottes als konfessionsverbindendes Element des christlichen Glaubens herausstellte. Nach dem Einzug der Geistlichen mit der Osterkerze und dem Anzünden der Altarkerzen folgte das gemeinsame Lied „Nun singe Lob, du Christenheit“. Heinrich Schreiber, der 1986 das Kircheninnere in wesentlichen Elementen neu gestaltet hatte, stellte Altar und Ambo, vor allem aber den Taufstein und die drei Weihwassersteine (= Tauferinnerungssteine) mit ihren Trinitätsdarstellungen vor und ging auch auf damit zusammenhängende Glaubensfragen ein. Zudem ließ er Kindheitserinnerungen an den Ziegelerdener Kirchenbau einfließen.
Ein Gebet, eine biblische Lesung, eine Andacht über die drei Seinsweisen des einen Gottes und ein „Lobpreis des Wassers“ wurden von Pfarrerin Treber und Kaplan Hinz vorgetragen. „Glieder des einen Leibes Christi, verbunden durch die eine Taufe“ zu sein – das konnte man besonders erfahren bei der „Segnung mit Wasser“, bei der die Besucher von den Geistlichen durch ein mit Wasser auf die Stirn oder Hand gezeichnetes Kreuz und durch ein Segenswort an ihre Taufe erinnert wurden. Besonders dieses ökumenische Ritual veranlasste Landrat Oswald Marr, vor dem Schlusssegen der beiden Geistlichen außerplanmäßig das Wort zu ergreifen und sich tief beeindruckt von der Feier zu zeigen. Nach der gemeinsam gesungenen Liedstrophe „Gott ist dreifaltig einer“ folgten Fürbitten und Vaterunser. An der Orgel gestaltete Christine Burkhardt die Tauferinnerungsfeier mit.

Landrat: Menschen für Kulturerbe sensibilisieren und begeistern
In seinen Begrüßungsworten zu Beginn der ökumenischen Tauferinnerungsfeier bezeichnete Landrat Oswald Marr den Denkmaltag als eine europäische Initiative für die Vielfalt des kulturellen Erbes. „Auch wir im Landkreis Kronach begehen diesen Tag, um möglichst viele Menschen für unser reichhaltiges Kulturerbe und unsere erhaltenswerte Denkmallandschaft zu sensibilisieren und zu begeistern“, so Marr. Unter dem diesjährigen Tagesmotto „Kultur in Bewegung“ würden Reisen, Handel und Verkehr und speziell auch das Pilgern thematisiert. Dieser Begriff habe in unserer Zeit einen erweiterten Sinn erfahren: „Man macht sich auf den Weg und ist offen für Begegnungen – Begegnungen mit sich selbst, mit anderen Menschen, mit Kulturdenkmalen, Landschaft und Natur und selbstverständlich auch mit Gott“, erklärte der Landrat. Viele Christen sähen das Pilgern auch als ein Bild für ihr Leben auf Erden, für das die Taufe auf den Namen des dreieinigen Gottes ein grundlegendes Ereignis sei.
Zum Ziegelerdener Gotteshaus erwähnte der Landrat, dass es in der Heimatliteratur beschrieben werde als „einer der letzten Sandstein-Großbauten“ unserer Gegend „mit einem eigens dafür wieder eröffneten Steinbruch“ im Dobersgrund. Der „Dom von Ziegelerden“ – so die Bezeichnung in einer Kronacher Tageszeitung im Einweihungsjahr 1950 – hat laut Landrat eine beeindruckende optische Fernwirkung. Erhaben grüße die St.-Michael-Kirche vom Haßlacherberg und präge das Landschaftsbild im Raum Kronach in besonderer Weise mit, stellte Oswald Marr fest.

Die WALKfahrt und die beiden eingebundenen Veranstaltungen, die allesamt von Bernd Graf bzw. unter seiner Leitung organisiert worden waren, standen mit dem Projekt „Trinität“ des Heimatpflege-Vereins Gehülz/Seelach/Ziegelerden und dem gleichnamigen Projekt der Kreisheimatpflege Kronach in Verbindung. Sie bereicherten das Programm des Landkreises Kronach zum Tag des offenen Denkmals ebenso wie die Denkmalwoche der Stadt Kronach und der Bürgerstiftung „Historisches Kronach“.
Nach dem Veranstaltungsdreiklang zum Denkmaltag in der Haßlacherberg-Gegend kehrten die meisten DreifaltigkeitsWALKfahrer anlässlich der zeitgleich stattfindenden Kestler Kerwa im Biergarten „Zum Valle“ ein und ließen damit einen rundum gelungenen Nachmittag fröhlich ausklingen.     -bg.-

Weihnachtskarte von Landrat Oswald Marr mit Bildern vom Haßlacherberg-Denkmaltag
    


Diese „Kapellenidylle“ lässt die „Kapellennot“ nur erahnen. Zu sehen ist das überschwemmungsgefährdete
Vierzehn-Nothelfer-Kapellchen am Dobersgrundbach mit seinem neuen Schieferdach und der bei den
Bauarbeiten freigelegten Jahreszahl 1736. Am Giebel soll wieder das bisherige Kruzifix befestigt werden
(vgl. ein Vorjahresfoto hier).


Am Nothelfer-Kapellchen eröffnete Bernd Graf das dreiteilige Nachmittagsprogramm am Denkmaltag 2010 in der Haßlacherberg-Gegend.


Heinrich Schreiber zeigte und erläuterte die neuen Keramikkacheln mit den Vierzehn Nothelfern an der
Rückwand des Kapellchens. Dort hatte sich früher die im Bericht oben erwähnte Blechtafel befunden.


In der Dreifaltigkeitskapelle am Paulusgrabenbach hängt ein Gemälde von Fritz Raida, das die himmlische
und die irdische Trinität in einer für die Region seltenen Art der Darstellung zeigt.
Laut Bernd Graf nimmt dieses Kunstwerk unter allen Dreifaltigkeitsdarstellungen im Landkreis,
die von der Kreisheimatpflege jüngst erfasst worden sind, einen hohen Stellenwert ein.


Zum vierten Mal bot sich am Tag des offenen Denkmals 2010 die Gelegenheit, die Dreifaltigkeit zu er-„walken“.
Das Bild zeigt die Nordic Walker und Wanderer im Dobersgrund nach dem Kapellenweg und vor der Tour zur Tauferinnerungsfeier.


Susanne Weber führte die WALKfahrer auf einer Strecke nordwestlich oberhalb des Dobersgrundbaches,
mit der selbst Haßlacherberg-Bewohner „Neuland betraten“.


Hier hatte man die nächste Station – die Kirche von Ziegelerden – bereits deutlich vor Augen.


Nach Überquerung der Straße Kestel folgte der Anstieg der Nordic Walker und Wanderer hinauf zur
St.-Michael-Kirche Ziegelerden.


Mit der Osterkerze zogen die beiden Geistlichen zu der ökumenischen Sonderveranstaltung
in die Ziegelerdener Michaelskirche ein. Leider ist dieses Bild etwas unscharf geraten.


„Gemeinsam feiern wir die Erinnerung an unsere Taufe auf den Namen des dreieinigen Gottes“, hieß es
auf dem Einladungsplakat. Besonders beeindruckend und über die Konfessionsgrenzen hinweg
gemeinschaftsstiftend und -stärkend war dabei das ökumenische Segnungsritual, das wohl die allermeisten
Teilnehmer zum ersten Mal miterleben konnten und das zu einem Höhepunkt am Denkmaltag
im Landkreis Kronach wurde.


Auch Landrat Oswald Marr und Zweite Bürgermeisterin Angela Hofmann ließen sich den „Tauferinnerungssegen“
zusprechen und das Wasserkreuz aufzeichnen und zeigten sich davon beeindruckt und berührt.


Nachdem sie die Fürbitten vorgetragen hatten, fassten sie sich zum Vaterunser – wie alle Andachtsteilnehmer –
an den Händen (von links): Kaplan Dieter Hinz, Pfarrerin Susanne Treber, Kirchenbau-Vereinsvorsitzender
Armin Herbst, Landrat Oswald Marr, Bildhauer Heinrich Schreiber, Heimatpflege-Vereinsvorsitzender Bernd Graf.