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50-jähriges Weihejubiläum der evangelischen Kirche
St. Michael Gehülz (II)

Am 24. September 1961 wurde das evangelische Gotteshaus St. Michael Gehülz eingeweiht, womit für die Lutheraner im zentralen Siedlungsbereich der Haßlacherbergkette ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung ging. Zum 50-jährigen Weihejubiläum wartete die Filialgemeinde mit einem Veranstaltungszyklus auf, der sich – ähnlich wie der einstige Kirchenbau – über ein ganzes Jahr erstreckte. Vom 3. Oktober 2010 bis zum 2. Oktober 2011 erfasste er wichtige Stationen des Kirchenjahrs und gipfelte in einem abschließenden Jubiläumswochenende.

Wir dokumentieren die einzelnen Stationen des Jubiläumsprogramms 2010/2011 in Bildern, Worten und Symbolen.
Teil I: Erntedank bis Epiphanias: Siehe hier
Teil II: Passionszeit bis Kirchweih: Siehe unten


Das linke Symbol mit den drei Golgatha-Kreuzen verweist auf die Passionszeit, die als Vorbereitungszeit auf Ostern durch das Motiv der Passion (= des Leidens) Jesu bestimmt wird. Sie beginnt mit Aschermittwoch und endet mit Gründonnerstag (= Tag der Einsetzung des heiligen Abendmahls), Karfreitag (= Tag der Kreuzigung des Herrn) und Karsamstag (= Tag der Grabesruhe Jesu). Rechts neben dem Passionssymbol deutet das Ökumenezeichen darauf hin, dass ein Höhepunkt der Passionszeit 2011 in Gehülz der im Rahmen des St.-Michael-Jubiläumsjahrs durchgeführte ökumenische Kreuzweg der katholischen St.-Bonifatius-Pfarrei und der evangelischen St.-Michael-Filialgemeinde war. Das obige Foto entstand an der vierten Kreuzweg-Station vor dem Leichenhaus auf dem Gehülzer Friedhof. Dort wurde gebetet: „Du aber, Herr, bist es, der die Tränen abwischen wird von unseren Augen. […] Du bist bei uns als Tröster – und kannst Trauer in Freude verwandeln.“
Doch bevor wir mehr über den ökumenischen Kreuzweg berichten, sei der jeweils am ersten Freitag im März und somit 2011 noch vor der Passionszeit stattgefundene Weltgebetstag angesprochen, der ebenfalls eine ökumenische Kirchenjahresstation in Gehülz markierte. Turnusgemäß diesmal in der Michaelskirche zelebrierte ein Vorbereitungsteam aus Frauen beider Konfessionen eine Feier unter dem Motto „Wie viele Brote habt ihr?“, deren Liturgie, Texte, Lieder und Gebete von Frauen aus dem südamerikanischen Land Chile stammten. Das Motto nahm Bezug auf eine „Geschichte vom gesegneten Teilen“ im Markus-Evangelium (Speisung der Fünftausend). Pfarrerin Susanne Treber brachte sich mit einer kurzen Ansprache ein. Die Organisationsleitung lag bei Bärbel Münzel. Der Weltgebetstag ist eine große internationale ökumenische Basisbewegung unter dem Leitwort „Informiert beten – betend handeln“, deren Wurzeln bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen.
Zwei Wochen nach dem Weltgebetstagsgottesdienst führte der sieben Stationen umfassende ökumenische Kreuzweg von der St.-Bonifatius-Kirche zum Kriegerdenkmal und zum Leichenhaus auf dem Friedhof, von dort zum Leuchtkreuz am „Alt-Entmannsdorfer Kreuzweg“ und schließlich zur St.-Michael-Kirche. Die annähernd 80 Teilnehmer verteilten sich auf alle Generationen. Angehörige aller Altersklassen bildeten auch die ökumenisch besetzten Teams, die die Texte an den einzelnen Stationen vortrugen. Der von vier Jugendlichen mit einem großen Holzkreuz angeführte Andachtszug bewegte sich auch auf öffentlichen Straßen, wobei Kronacher Polizei und Gehülzer Feuerwehr die Verkehrssicherung vornahmen. Musikalische Mitwirkende waren die „Bergmusikanten“ Gehülz unter Leitung von Klaus Porsch sowie die Organisten Christine Burkhardt und Dieter Völlmer. Sie begleiteten auch die gemeinsam gesungenen Passionslieder wie „O Haupt voll Blut und Wunden“ oder „Korn, das in die Erde“. Der von Elisabeth Reich betreute St.-Bonifatius-Kinder- und Jugendchor sang „Manchmal feiern wir mitten am Tag ein Fest der Auferstehung“. Unter Leitung von Pfarrerin Susanne Treber und Diakon Jürgen Fischer hatten Mitglieder beider Ortskirchen einschließlich der Kirchenvorsteherin Gabriele Hopf und des Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Richard Biniszewski den Ablauf des Kreuzwegs vorbereitet.
Leidensweg als Hoffnungsweg
Diakon Jürgen Fischer erinnerte zum Veranstaltungsauftakt an die historische Entwicklung dieser Andachtsform und sagte, der Leidensweg Jesu werde letztlich als Triumph- bzw. als Hoffnungsweg gefeiert. Im weiteren Verlauf des Kreuzwegs hieß es, Jesus habe auf sich genommen, „was Lieblosigkeit unter den Menschen angerichtet hat“. Dies mache Jesu Weg der Liebe zu einem Weg des Leidens. Die Rede war von Vorwürfen unter den Menschen, die wie ein Nagel treffen. Bald hagele es Nägel. Schließlich komme die Reihe irgendwann an einen, der sich nicht gegen die Spitzen wehren könne. Dank Jesus könne ein Neuanfang geschehen – durch seine Vergebung. So könnten Menschen einander helfen, Folgen zu lindern, an denen andere leiden. So könnten Beladene sich wieder aufrichten. So könne sich der Frieden ausbreiten. Zu Gott könnten alle Menschen kommen, mit allem, was sie getroffen habe, wie die Spitze eines Nagels. Jesus habe alles getan, damit die Menschen „bei ihm loswerden konnten, was schmerzte. Er litt selber daran und starb.“ Als Jesus geschrieen habe „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“, da habe Gott Atem geholt, ganz tief, bis zum dritten Tag, bis er seinem Sohn neues Leben eingehaucht habe, „das Macht hatte, das Grab zu sprengen und aufzuerstehen“. In einem Gebet hieß es: „Wenn wir beginnen, dich zu begreifen, so gibt es uns Kraft, hinauszuwachsen über uns, über Angst, Verzweiflung, Resignation. […] Wo Menschen Angst überwinden, um zu tun, was die Liebe will, ist Grund zur Hoffnung, und der Grund bist du, Herr.“ Pfarrerin Susanne Treber betete schließlich: „Gott Vater, komm mit deinem Lebensatem! Wir danken dir für deine unermesslich große Gnade.“
Hier noch ein kurzer ortskirchengeschichtlicher Rückblick: Einen ökumenischen Kreuzweg der Jugend hatte es ab 1984 für einige Jahre in Gehülz gegeben. Diese Veranstaltung hatte anfangs in beeindruckender Weise davon gelebt, dass sich junge Gemeindeglieder beider Konfessionen engagiert einbrachten. Bereits 1977 war der ökumenische Weltgebetstag der Frauen erstmals in Gehülz mitgefeiert worden. Dies war für Gehülz die erste gottesdienstliche Feier im Zeichen der Ökumene und der Beginn jährlich wiederkehrender ökumenischer Veranstaltungen gewesen. Während die Weltgebetstagsfeier vor Ort eine dauerhafte Einrichtung wurde, war beim ökumenischen Kreuzweg rund zwei Jahrzehnte „Funkstille“ – eben bis zum Kreuzweg 2011, von dem nun drei weitere Fotos folgen.

 

Fünfte Station des ökumenischen Kreuzwegs 2011 war das Leuchtkreuz am „Alt-Entmannsdorfer Kreuzweg“. „Am Kreuz ist Jesu Leidensweg zu seinem Gipfel gekommen“, war die erste Aussage an dieser Station. Weiter hieß es: „Jesus war bereit, die Folgen der Lieblosigkeit zu ertragen.“ Gebetet wurde: „Du ließest dich bloßstellen – aber am Ende wurde deine Größe offenbar. Die Größe deiner Liebe.“

 

„Es ist wahrhaftig Gottes Sohn!“, war die sechste Kreuzwegstation in der St.-Michael-Kirche überschrieben. Gebetet wurde: „Du, Herr, du holst Atem, um Leben neu zu schenken. Wo wir uns verlassen fühlen im Leid, bist du es, der es nicht mit ansehen kann. Du wirst handeln, das Leid zu beenden. Wo es die Menschen auf Erden nicht können, da vermagst du es im Himmel.“

 

„Mit allem, was uns trifft wie die Spitze eines Nagels, können wir zu Gott kommen.“ Auf dieses Wort hin steckte jeder Teilnehmer seinen Nagel in ein mit Erde gefülltes Kreuz. Später pflanzte jeder ein Samenkorn in die Erde des Kreuzes. Denn: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht!“


Mit der das Leiden Christi symbolisierenden Dornenkrone kommen wir noch einmal zur Passionszeit, genauer zu der sie abschließenden Karwoche (Kar = Wehklage) mit dem Palmsonntag als Auftakttag, der an den Einzug Jesu in Jerusalem erinnert. Am Palmsonntag 2011 in St. Michael Gehülz predigte Dekanin Dorothea Richter über die Frau, die Jesus vor seinem Sterben ehrt, indem sie ihn mit kostbarem Nardenöl salbt (Markus 14, 3 – 9). Unter anderem führte die Dekanin aus, dass es einer Gesellschaft helfe, wenn Menschen in ihr moralisch gut handeln. Daher meinten viele, die Kirchen seien zur Wertevermittlung da. Dadurch seien sie nützlich. „Doch es geht um weit mehr“, unterstrich Dorothea Richter. „Warum die Verehrung Gottes, die Hingabe an ihn, wichtig ist, ist nicht mit rationaler Berechnung zu erklären.“ Die Frau im Predigttext, deren Name unbekannt sei, habe dem Messias die überschwängliche Verehrung erwiesen, die ihm zukomme. Diese Frau sei ein Beispiel für Hingabe und Liebe.
Zum Karfreitagsgottesdienst, bei dem traditionsgemäß die Glocken der Michaelskirche schwiegen und der Altar – abgesehen von den Altarkerzen – ungeschmückt blieb, gehörten nach altem Brauch die gemeinsame Beichte (auch Gemeindebeichte genannt) und die Feier des Heiligen Abendmahls. Der Karfreitag, dessen Bezeichnung „guter Freitag“ auf Martin Luther zurückgeht, gilt in der evangelischen Frömmigkeit für viele als höchster Feiertag des Kirchenjahrs und als einer der wichtigsten Abendmahlstage. Der Tagesspruch für den Karfreitag (Johannes 3, 16) lautet: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ Am Tag der Kreuzigung des Herrn 2011 predigte Pfarrerin Susanne Treber über Lukas 23, 33 – 49. Sie sprach davon, „wie aus der Sünde heraus Menschen urteilen und ihr Urteil vollstrecken“. Man könne sehen, wie leidvoll, tödlich und ungerecht dieses Urteil sei. Schon am Karfreitag bahne sich aber leise an, „dass wir zugleich das Tröstliche dagegen sehen können“: wie gerecht, heilsam und Leben spendend, wie ewig und endgültig das Urteil des höchsten Richters sei. Es beginne sich auf Golgatha zu enthüllen. Schon daran zeige es sich, wie Gottes Sohn Jesus auf die Bitte des schuldigen Mitgekreuzigten reagiert. Dieser bitte ihn: „Denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.“ Jesus gebe die Antwort, nach der sich die tiefste Frage des Menschen sehnt: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“
„Für uns gestorben“
So lautet der Titel der Ausgabe 2/2011 des Magazins „Sonntagsblatt THEMA“, wobei im Untertitel gefragt wird: „Jesu Leiden, Jesu Tod – das Heil für uns?“ Seit einigen Jahren sei in der Theologie ein erneuter Anlauf im Bemühen um ein angemessenes Verständnis des Kreuzestodes Jesu zu beobachten, stellt Helmut Frank in dem Heft fest. Als besonders umstritten charakterisiert er dabei die Deutung des Kreuzestodes Jesu als Sühneopfer. Ein Gegner dieser Deutung, Klaus-Peter Jörns, verweist darauf, dass Vergebung ohne Blutvergießen möglich sei. Andreas Ebert führt aus, dass das Kreuz uns nicht von eigenem Leiden und Sterben erlöse und dass der Gekreuzigte vielmehr solidarisch alle Leidenden und Sterbenden begleite. Das Neue Testament, so Helmut Frank, biete mehrere Denkmodelle für die Heilsbedeutung des Todes Jesu an, wobei keines der Modelle für sich allein ausreiche. Die Summe aller neutestamentlichen Denkmodelle lasse sich, so Frank, am ehesten mit dem Bibelvers (Hebräer 5, 9) zusammenfassen, der besage, dass Christus „für alle, die ihm gehorsam sind, der Urheber des ewigen Heils geworden“ sei. Doch sei der Tod Jesu allein nicht der Grund der Erlösung. Vielmehr habe Gott den Tod Jesu überwunden. Darin, dass Gott Christus auferweckt habe, liege der Grund des Heils. Gottes Wille und Werk sei die Sendung Jesu und die Bestätigung seines Lebens und seiner Botschaft durch die Auferweckung gewesen. Abschließend aus dem Heft „Für uns gestorben“ ein Zitat von Jörg Rosenstock: „Durch Jesu Tod wissen wir, dass wir in Gottes liebevolle Gegenwart hineinsterben. Und alles, was uns ausmacht, über unseren Tod hinaus in Gott geborgen bleibt.“



Das Fest der Auferstehung des Herrn wurde in St. Michael Gehülz mit einer Osternachtsfeier (Foto oben: Szene am leeren Grab) und einem anschließenden gemeinsamen Osterfrühstück begangen. Die von Thomas Meier (Violoncello) und Christine Burkhardt (Orgel) musikalisch mitgestaltete Feier wurde hauptsächlich geprägt durch die Inszenierung der Ostergeschichte mit einem Lese- und Schauspielteam, durch Liturgie, Wort und Bild von Pfarrerin Susanne Treber, durch die Tauferinnerung mit Segenskarten für jede und jeden sowie durch die Feier des Heiligen Abendmahls mit Einladung an alle Christinnen und Christen. Auf dem Ankündigungsplakat war zu lesen: „Gottes Weg mit den Menschen, für die Menschen führt aus der Knechtschaft herauf in die Freiheit und aus den Pforten des Todes herauf ins Leben dank Jesus Christus!“ Aus der Feier zitieren wir, was nach dem Entzünden der Osterkerze gesprochen wurde: „Die Höhle des Grabes wird weit im Odem des Herrn, der Stein ist fort, das Tor ist frei, die Mauern ohne Macht, die Fesseln schon entzwei. Und aus den Pforten des Todes führt Gott seinen Sohn herauf ans Licht, ins Freie, in die Zukunft bei ihm. Welch unvergleichlicher Auszug ins Leben – aus dem Grabe! Welch unvergleichlicher Auszug in die Freiheit – aus dem Grabe! Welch unvergleichlicher Auszug in die Zukunft mit Gott in seiner Herrlichkeit! Seht, der Befreier ist heraufgekommen! Und er, er wird uns alle mitnehmen, mit sich führen, aus der Gefangenschaft, aus Grab und Tod ins Leben. Denn Jesus Christus spricht: Ich lebe, und ihr sollt auch leben!“ Die Mitfeiernden begrüßten sich einander mit: „Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.“ Nach der Inszenierung des Osterevangeliums betonte Pfarrerin Susanne Treber in ihrer Predigt: „Ja, das ist Ostern – dass wir voller Freude erkennen, dass freie Wege vor uns liegen. Wege ins Leben, offen in die Zukunft.“ Ostern bedeute nicht nur, dass Gott Jesus aus der Tiefe des Grabes heraufgeholt habe in ein neues, unvergleichliches Leben, sondern sei auch für uns heute Grund zur herrlichen Hoffnung auf eine Zukunft über den Tod hinaus. Nach Tauferinnerung, Abendmahl, Fürbitten und Segen endete die Feier, zu der unten zwei weitere Fotos folgen, mit dem gemeinsamen Lied „Er ist erstanden, halleluja“.
Leben vor und nach dem Tod
Osternacht und -frühstück hatte es in Gehülz erstmals 2001 gegeben. Damals war unter der Leitung von Pfarrerin Marion Degenkolb und unter dem Thema „Nicht am Grabe vorbei“ der Übergang von der Dunkelheit zum Licht und vom Tod zum Leben nachempfunden worden. Im Zusammenhang mit der Gehülzer Osternachtsfeier 2009 verweisen wir auf diese Webseite.
Der Wochenspruch für die Osterwoche (Offenbarung 1, 18) lautet: „Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ – Es folgt ein österliches Wort von Dietrich Bonhoeffer: „Gott, der allein für uns das Heil vollbrachte, erweckte Christus von den Toten. Das war der neue Anfang, der dem Ende als Wunder von oben folgte, nicht wie der Frühling nach festem Gesetz, sondern aus unvergleichlicher Freiheit und Macht Gottes, die den Tod zerbricht.“ – Im ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth heißt es im 15. Kapitel in den Versen 13, 14 und 20 nach der Übersetzung der Gute-Nachricht-Bibel: „Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, dann ist auch Christus nicht auferweckt worden. Und wenn Christus nicht auferweckt worden ist, dann hat weder unsere Verkündigung einen Sinn noch euer Glaube. Nun aber ist Christus vom Tod auferweckt worden, und als der erste Auferweckte gibt er uns die Gewähr, dass auch die übrigen Toten auferweckt werden.“ – Für das Neue Testament steht laut ekd.de fest, dass es sich bei der Auferstehung Jesu um ein historisches Ereignis handelt, mit dem die Geschichte des Christentums ihren Anfang nahm. Jesu Auferstehung werde nicht als Rückkehr eines Toten in das irdische Leben beschrieben. Vielmehr gehe es um eine Verwandlung zu einem neuen, unvergänglichen Leben. Die Antwort auf die Frage nach der Möglichkeit einer Auferstehung von den Toten hänge letztlich damit zusammen, ob nur das geschehen kann, was sich menschlicher Erkenntnis voll und ganz erschließt. Die Auferstehung sei menschlichem Begreifen entzogen und dennoch nicht unzugänglich. – Von Abt Odilo Lechner stammt der Satz: „Die Auferstehung Jesu nimmt uns mit in die unendliche Lebendigkeit Gottes.“
Am Ostersonntag hatte bis zum Jahr 2000 die Konfirmation in Gehülz stattgefunden. Seither gilt der zweite Sonntag nach Ostern mit dem Namen Misericordias Domini (zu Deutsch: die Barmherzigkeit des Herrn) als Gehülzer Konfirmationstermin. Entsprechend dem Tagesthema, dass Gott in Jesus Christus wie ein guter Hirte bei uns ist, wird dieser Sonntag auch Hirtensonntag genannt. Bei der letztmals an Ostern abgehaltenen Konfirmation 2000 hatte Pfarrerin Marion Krämer die damals zehn Konfirmandinnen und Konfirmanden dazu ermuntert, dem in ihrer Taufe ausgesprochenen Ja Gottes zu ihnen nun ihr eigenes Ja zu Gott folgen zu lassen. Am Hirtensonntag 2011 konfirmierte Pfarrerin Susanne Treber das jugendliche Gemeindeglied Jürgen Hopf (Gehülz, Brand 7).



Tauferinnerung mit Wasserkreuz und Segenskarte bei der Osternachtsfeier 2011 zu St. Michael – Pfarrerin Susanne Treber zeigte die jungen Pflanzen, die aus den beim ökumenischen Kreuzweg gesäten Sonnenblumenkernen mittlerweile hervorgegangen waren. Beim Kreuzweg, so die Pfarrerin, „haben wir uns erinnert an Jesus, der wie ein Korn in die Erde fällt, wie in ein Grab, und stirbt. Jetzt an Ostern sehen wir: Dank Wasser und Licht ist neues Leben ins Freie gedrungen – so wie Jesus durch die Kraft des Geistes aus der Grabhöhle in neues unvergleichliches Leben befreit wurde. Der Heilige Geist ist wie Gottes Tau. Er regnet herab als köstliches Geschenk Gottes, lässt sich nicht aufhalten, sogar in die tiefste Tiefe zu sickern. Es ist der Lebensgeist schlechthin, der unseren Glauben weckt, unsere Seele heranreifen lässt durch Vertrauen ins Vertrauen. Mit dem Geist gießt Gott seine Zuneigung auf uns wie frischen Tau und Regen. In jeder Taufe wird dies gefeiert. Jesus Christus spricht: Wer Durst hat, der komme, und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.“

 

Die Mitwirkenden an der Osternachtsfeier im Rahmen des St.-Michael-Jubiläumsjahrs stellten sich zwischen leerem Grab, Taufstein und Altar zu diesem Erinnerungsbild auf. Anschließend begab man sich in den Gemeinderaum des Gotteshauses zum gemeinsamen Osterfrühstück.


Christus ist zu Gott erhöht, denn die Welt kann ihn nicht fassen; aber er durchdringt dennoch alles in der Welt und ist seiner Gemeinde allgegenwärtig. Das ist das Thema von Christi Himmelfahrt. Dieses Fest des Aufbruchs erinnert auch daran, dass Jesus seine Jünger in die Freiheit und in die Verantwortung entlassen hat. Der Tagesspruch lautet: „Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen“ (Johannes 12, 32). An Himmelfahrt 2011 hielt Pfarrerin Susanne Treber einen „Gottesdienst im Grünen“ an der Kreuzbergkapelle. In St. Michael Gehülz findet am Himmelfahrtstag gewöhnlich kein Gottesdienst statt; in der Regel wird im dortigen Gottesdienst zum folgenden Sonntag Exaudi auf die Botschaft von Christi Himmelfahrt eingegangen. Freilich ist dieser Sonntag eigentlich schon auf das nachfolgende Pfingsten bezogen, indem er die wartende Haltung der Gemeinde und damit ihre Abhängigkeit vom Heilswirken Gottes herausstreicht.


Der Einbruch des Gottesgeistes und der Aufbruch der werdenden Kirche bestimmen die Thematik des Pfingstfestes 50 Tage nach Ostern. Der zugehörige Wochenspruch heißt: „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth“ (Sacharja 4, 6). Beim Abendmahlsgottesdienst am Pfingstsonntag 2011 in St. Michael Gehülz betonte Pfarrerin Susanne Treber: „Gott selbst ist und bleibt die Quelle, aus der immer wieder neue Lebensmöglichkeiten kommen.“ Er lasse sie uns entdecken durch den Heiligen Geist – miteinander, füreinander, auch da, wo „wir eben in ganz neue Situationen hineingestreut werden.“ Weiter erinnerte die Pfarrerin daran, dass Jesus, „als er auferstanden war“, „durch seine Boten die frohe Botschaft der Liebe Gottes in alle möglichen Länder verstreuen“ lassen habe. „So können überall im Draußen Verstreute sich zusammenfinden und entdecken: Wir sind nicht allein. Wir sprechen einander aus der Seele eine Sprache, wir bauen einander auf, und gerade so werden wir zukunftsfähig.“ Am Schluss ihrer Predigt belegte Pfarrerin Treber mit einem „Beispiel aus dem Leben“, was im ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth (12, 4 – 11) zu lesen ist über das Wirken des Heiligen Geistes und über die Fähigkeiten, die er Menschen schenkt. Das frische Birkengrün hinter dem Altar der pfingstlich geschmückten Michaelskirche erinnerte traditionsgemäß an das Lied „Schmückt das Fest mit Maien“ und an Psalm 118, dessen Vers 27 die gleiche Aufforderung enthält: „Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!“


Der ökumenische Pfingstmontagnachmittagsgottesdienst an der Marienkapelle Kestel fand auch 2011 großen Zuspruch. „Wir feiern Pfingsten, das Fest der Begegnung, hier in Kestel, dem Ort der Begegnung“, sagte der Vorsitzende des Heimatpflege-Vereins Gehülz/Seelach/Ziegelerden, Bernd Graf, in seiner Begrüßung. „Ihr sollt merken, dass ein lebendiger Gott unter euch ist.“ Dieses biblische Wort (Jos. 3, 10) von dem am gleichen Tag stattgefundenen Kirchentag auf dem Hesselberg passe auch gut als Motto „für unseren kleinen ökumenischen Kirchentag vom Haßlacherberg“, erklärte Graf. Beim Gottesdienst übernahmen Dekanin Dorothea Richter die Liturgie und der erstmals bei dieser Feier mitwirkende Regionaldekan Thomas Teuchgräber die Predigt. Er legte der – wie er sagte – „ökumenischen Haßlacherberg-Gemeinde“ einschließlich der auswärtigen Besucher die Verse aus Johannes 14 aus, nach denen Jesus den Heiligen Geist versprach. Beistand und Tröster – wie der Heilige Geist – sollten auch Christen untereinander und gegenüber anderen Menschen sein, so Stadtpfarrer Teuchgräber. Die „Bergmusikanten“ Gehülz unter Leitung von Klaus Porsch begleiteten die von den Gottesdienstbesuchern gemeinsam gesungenen Lieder.


Der Dreifaltigkeits- bzw. Dreieinigkeitssonntag (Trinitatis / Sonntag nach Pfingsten) ist von seiner Entstehung her keinem heilsgeschichtlichen Ereignis zuzuordnen, sondern erhielt seinen Namen aus einem theologischen Anliegen heraus. An diesem zur Gruppe der Ideenfeste gehörenden Festtag soll das Geheimnis der Trinität Gottes bewusst gemacht und gefeiert werden. Trinitatis setzt gleichsam den dogmatischen Schlusspunkt unter Weihnachten (Werk des Vaters), Ostern (Werk des Sohnes) und Pfingsten (Werk des Heiligen Geistes). Im evangelischen Kirchenjahr werden die nachfolgenden Sonntage (1. bis 24. Sonntag) „nach Trinitatis“ benannt. Ein biblischer Ansatz für die Trinitätslehre von Gott dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist findet sich zum Beispiel im „trinitarischen Gruß“ am Ende des zweiten Korintherbriefs: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ In den Ambo bzw. die Kanzel der St.-Michael-Kirche Gehülz ist eine Darstellung der Heiligen Dreifaltigkeit eingemeißelt, wobei Gottvater durch die Schöpferhand, der Sohn als „Lamm Gottes“ und der Heilige Geist als Taube dargestellt sind (Fotos dazu auf dieser Webseite). Am Tag der Heiligen Dreifaltigkeit 2011 feierte Pfarrerin Susanne Treber den Gottesdienst mit der St.-Michael-Gemeinde. An den dreieinigen Gott glauben heiße laut Treber, „nicht im Nebel wandern müssen, sondern auch dann klar die Sonne im Herzen und vor Augen haben, wenn’s außen rum neblig ist“. Gott habe Jesus zu uns geschickt, weil er wisse: „Wir alle brauchen ihn zum Anfassen, Anschauen, Liebhaben.“ Gott sei gegenwärtig durch den Heiligen Geist, damals wie heute, und könne uns erfüllen.



Am Trinitatis-Nachmittag stand wieder die traditionelle ökumenische Dreifaltigkeitsandacht an der Dreifaltigkeitskapelle im Gehülzer Kapellenweg auf dem Programm, wie im Vorjahr gehalten von Pfarrerin Susanne Treber und Diakon Jürgen Fischer. Inhaltliche Schwerpunkte bildeten der Lobpreis des dreieinigen Gottes und Überlegungen zur heiligsten Dreifaltigkeit, deren Wesen man weniger mit dem nüchternen Verstand als vielmehr mit dem gläubigen Herzen erfassen könne. Erstmals wurde diese Feier wegen Sturm und Regen unterbrochen und im benachbarten Gasthaus Weber/Mayer fortgesetzt. Musikalisch wirkten die „Bergmusikanten“ Gehülz unter Leitung von Klaus Porsch mit.
Vier Tage nach Trinitatis 2011 fand in Verbindung mit dem „Projekt Trinität“ die insgesamt fünfte DreifaltigkeitsWALKfahrt statt. Bei dieser Veranstaltungsreihe werden den Teilnehmern in den heimischen Fluren und Ortschaften Zeugnisse des christlichen Glaubens an den dreieinigen Gott nahe gebracht. Für die genannte WALKfahrt am Johannis-Vorabend und für die spätere zweite WALKfahrt des Jahres 2011 wurde auch Johannes der Täufer thematisiert, zumal dieses Jahr im Rahmen der Luther-Dekade der evangelischen Kirche zum „Jahr der Taufe“ ernannt worden war. (Die Luther-Dekade soll vorbereiten auf das Reformationsjubiläum 2017 – den 500. Jahrestag von Luthers Thesenanschlag am 31. Oktober 1517.) Johannes, der Großcousin Jesu, gilt nicht nur als Wegbereiter für Jesus, sondern auch für die christliche Taufe; für diese war die Taufe Jesu durch Johannes Modell und Vorbild.



Mit einem Festwochenende schloss der Jahresreigen zum 50-jährigen Jubiläum der St.-Michael-Kirche Gehülz. Neben Festabend und Jubiläumskonzert gab es einen Festgottesdienst in der erntedankmäßig geschmückten Kirche, wobei diesmal die mit dem Erntedankfest zusammentreffende Michaeliskirchweih liturgisch im Vordergrund stand. Diese Patronatskirchweih, die 2011 zur Jubiläumskirchweih wurde, wird grundsätzlich jeweils am Sonntag nach dem „Tag des Erzengels Michael und aller Engel“ (Michaelis), also am Sonntag nach dem 29. September, begangen. Genau genommen vereinigt dieser Sonntagsgottesdienst in der Regel drei Anlässe: Michaelis, Kirchweihegedenken und Erntedank.
Zwei Gedanken noch zu Michaelis: Der siegreiche Kampf des Erzengels und Himmelsfürsten Michael gegen die widergöttlichen Mächte (Offenbarung 12, 7 – 9) ist ein Kampf um Gottes Herrschaft und geht Hand in Hand mit dem Ostersieg Christi durch seine Auferstehung. Für den zweiten Gedanken zu Michaelis zitieren wir aus dem Halleluja-Vers dieses Tages (Psalm 91, 11 [– 12]): „Er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen […].“ (Zu Michaelis aus lokalem Blickwinkel verweisen wir auch auf diese Webseite.)
Unser Tagessymbol zur Michaeliskirchweih (links oben), das so ähnlich auch im obigen Foto auf dem Parament (Altartuch) dargestellt ist, zeigt ein Schiff, das als ein altes Bild für die Lebensreise gilt und die Kirche auf ihrem Weg durch die Zeiten symbolisiert (vgl. das Lied: „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt, fährt durch das Meer der Zeit…“). Der Mast in Kreuzform weist auf Jesus Christus, der als „Lotse“ mit an Bord ist. Unser Foto oben stammt aus dem Jahr 2003, als unter Leitung von Pfarrerin Alina Ellgring die Fahrt des Schiffes „Kirche“, aber auch des Lebensschiffes eines einzelnen Christen, durch das „Meer der Zeit“ in Richtung auf „Gottes Hafen“ inhaltlich beleuchtet und gestalterisch umgesetzt wurde.
Beim Jubiläumsfestgottesdienst 2011 erinnerte der Festprediger, Pfarrer Dr. Christian Wendebourg, daran, dass das am Sonntag vor Michaelis 1961 geweihte Gehülzer Gotteshaus den Namen dieses Sonntags, „St. Michael und alle Engel“, erhalten habe, was ein „im evangelischen Bereich eher seltener, ausgefallener, aber umso bemerkenswerterer Namen“ sei. Aus dem Episteltext für den Michaelistag aus der Offenbarung des Johannes 12, 7-12a, der vom endzeitlichen Kampf Michaels und seiner Engel gegen den Drachen handelt, leitete Dr. Wendebourg folgende Botschaft an die Jubiläumsgemeinde ab: „Starrt nicht darauf, was in der Zukunft noch alles in der Welt passieren kann an Dunklem und Abgründigem. […] Sondern schaut auf das Kreuz Christi und seine Auferstehung. Da ist alles Entscheidende schon passiert. […] Nur hier sind wahrer Trost und Kraft in und gegen alle Anfechtungen und Zweifel zu finden.“ Und eine zweite Botschaft aus dem starken Bild des Sieges Michaels und seines Engelsheeres fasste der Prediger in folgende Worte: „Haltet gegen den Augenschein treu am Bekenntnis zum einen Gott und seinem Christus fest, auch wenn ihr das Licht am Ende des Tunnels nicht mehr seht. Der Sieg Christi steht. Er ist gewiss. Er muss nur noch offenbar werden. Das Nicht-mehr ist ein Noch-nicht.“

Mehr zum Gehülzer St.-Michael-Jubiläumswochenende 2011
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Die gesamte Predigt von Pfarrer Dr. Christian Wendebourg
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